Wie können alltägliche Situationen als medienpädagogische Lerngelegenheiten genutzt werden?
Im Alltag von Kindern und Jugendlichen tauchen immer wieder Situationen auf, die die alltägliche Medienroutine durchbrechen und in denen bei der Mediennutzung Fragezeichen entstehen. Solche Situationen bieten besondere Chancen, weil sie zum Nachdenken einladen und schliesslich Entscheidungen erfordern.
Diese Situationen können in der Schule, zu Hause oder im Freundeskreis vorkommen, sie lassen sich jedoch nur schwer gezielt herbeiführen. Im Unterricht bieten sich dennoch verschiedene Möglichkeiten, solche Situationen zu thematisieren:
Aktuelle Problemsituationen aus der eigenen Schule nutzen
Wenn unklare oder problematische Situationen bei der Mediennutzung im Schulunterricht auftauchen, können diese medienpädagogisch thematisiert werden. Dabei eignen sich vor allem Fälle, in denen Schülerinnen und Schüler direkt betroffen sind, z.B. wenn sich problematische Informationen auf der Schulhomepage finden, wenn Viren auf den Schulrechner gelangen oder Ähnliches. In der Schule ergeben sich im Umgang mit Medien vielfältige Problemsituationen, die bei ausreichender Sensibilität der Lehrperson als Lerngelegenheiten wahrgenommen werden können. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie als Lehrperson Ihre unmittelbare Intervention auf ein Minimum begrenzen, um die damit offene Problemsituation gemeinsam mit den Lernenden zu bearbeiten.
Fallbeispiele aus anderen Schulen und anderen Kontexten nutzen
Auch Situationen aus anderen Schulen und anderen Kontexten können Sie zum Anlass für eine medienpädagogische Reflexion mit der eigenen Klasse nehmen. Dieses Vorgehen fällt unter den Ansatz des problembasierten bzw. fallbasierten Lernens (Engl.: "problem based / case based learning"). Dabei kann die Problembearbeitung von einer realen Begebenheit oder von einem fingierten realitätsnahen Fall ausgehen. Die Problemsituation muss ein gewisses Mass an Komplexität aufweisen, so dass sie nicht einfach mit Routineeinschätzungen gelöst werden kann, sondern zum Nachdenken anregt. Solche Fälle können in Form von Beschreibungen, Zeitungsartikeln oder Filmen vorliegen. Ein Auftrag zu einer solchen Fallbeschreibung könnte lauten, sich in die Rolle eines bzw. einer Betroffenen hineinzuversetzen und Vorschläge zu sinnvollem Verhalten in der beschriebenen Situation zu unterbreiten.
Biografische Erlebnisse
In der Medienbiografie von Kindern und Jugendlichen finden sich viele prägende Erlebnisse, die im Unterricht rückerinnernd thematisiert werden können: z.B. erste Kontakte mit bestimmten Medien, gute und schlechte Erfahrungen mit Medien, Konflikte mit den Eltern und Ähnliches mehr. Solche Erzählungen können Sie in der Klasse zum Ausgangspunkt fallbasierten Lernens einsetzen.
Zur Bearbeitung solcher Fälle müssen von den Schülerinnen und Schülern eine Reihe von Arbeitsschritten durchlaufen werden, die als didaktisches Grundgerüst für fall- bzw. problembasiertes Lernen gelten können (vgl. Barrows, 1985 nach Reusser, 2005):
Eine Reihe solcher Fälle finden sich im Educaguide "ICT und Ethik".
Ethik-Guide
Literatur |
 | Reusser, K. (2005). Problemorientiertes Lernen: Tiefenstruktur, Gestaltungsformen, Wirkung. Beiträge zur Lehrerbildung, 23(2), S. 159-182. |
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