Brauchen Kinder Medienpädagogik?
Es bestehen sehr unterschiedliche Ansichten darüber, welcher Grad an Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen durch ihren alltäglichen Umgang mit Medien schon vorausgesetzt werden kann. Tatsächlich dürfte es bei Kindern je nach Bildungsschicht und häuslicher Medienkultur ein sehr unterschiedliches Mass an Medienkompetenz geben. Während einige Kinder das mediale Angebot unkritisch und unmässig konsumieren und sich dabei zumindest teilweise in ihrer Weltsicht prägen lassen, schauen andere Kinder, die vielleicht einen genauso hohen Medienkonsum besitzen, stärker hinter die Kulissen und lassen sich nur wenig beeinflussen.
Jedes Kind ist anders
Bei jedem Kind sind ausserdem verschiedene Bereiche der Medienkompetenz unterschiedlich stark ausgeprägt. Studien von David Buckingham konnten z.B. zeigen, dass sich Kinder bereits mit acht Jahren äusserst kritisch und ironisch über Werbung äussern können. Sie machen sich lustig über die plumpen Beeinflussungsversuche und die einfach gestrickten Schemata, mit denen mittelmässige Produkte attraktiv gemacht werden sollen. Gleichzeitig sind Kinder, nicht anders als viele Erwachsene, keinesfalls bezüglich aller Arten subtiler Beeinflussung immun. Pauschalaussagen, ob Kinder allgemein als medienkompetent oder eben nicht medienkompetent gelten können, sind also nicht möglich.
Vorsicht vor Pauschalurteilen
Ein wichtiges Problem bei der Beurteilung von kindlicher Medienkompetenz liegt auch darin, dass Erwachsene die kindliche Medienwelt kaum kennen. Im Effekt wird diese Medienwelt entweder pauschal als harmlos oder als gefährlich eingeschätzt. In ihrer Kombination führen die skizzierten Überzeugungen zur kindlichen Medienkompetenz und zur Gefährlichkeit der Medienwelt zu sehr unterschiedlichen Einstellungen von Erziehungsberechtigten und Bildungsverantwortlichen. Pauschale Einschätzungen helfen jedoch nicht weiter.
Differenzierte Positionen sind gefragt. Begreift man Erziehung als die ‚Reaktion einer Erwachsenengesellschaft auf die in ihr verlaufende Entwicklungstatsache' (Bernfeld, 1973), dann benötigen Erwachsene Medienerziehung in nicht geringerem Masse als Kinder.
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