 | Welche Möglichkeiten für eine Online-Kommunikation mit meiner Klasse gibt es? Es gibt viele Gratisangebote, mit denen Schulklassen über das Internet kooperieren können. Nicht alle sind jedoch für schulische Zwecke geeignet. Zu beachten ist vor allem, ob die Angebote werbefinanziert sind, ob sie Datenschutz und Privatheit respektieren, ob sie von der Softwaresicherheit eine Gefahr für die Schulrechner darstellen, ob die zur Verfügung stehende Bandbreite den Anforderungen genügt und schliesslich ob sie die nötigen Funktionen besitzen und trotzdem genügend einfach zu handhaben sind. Hierbei gibt es grundsätzlich zwei Alternativen, die Arbeit mit Lernplattformen, die viele Kommunikationsfunktionen integriert bereitstellen, und die Arbeit mit Einzelanwendungen wie Instant-Messaging, Chat und anderen. Die Möglichkeiten werden hier kurz vorgestellt. Beispiele und Szenarien für Schul- und Klassenprojekte findet man z.B. auf dem Schweizerischen Bildungsserver ( www.educa.ch) oder auf der Plattform eTwinning, dem Learning-Programm der Europäischen Union ( www.etwinning.net). LernplattformenSchulen können mit einer umfassenden Lernplattform arbeiten. Dabei handelt es sich um eine Software, die auf einem Server betrieben wird, und auf die Lernende mit einem normalen Internetbrowser Zugriff haben. Das heisst, auf den Computern der Schülerinnen und Schüler muss keine besondere Software installiert werden. Lernplattformen sind passwortgeschützt. Jeder Schüler und jede Schülerin besitzt ein individuelles Passwort, mit dem er bzw. sie auf die Lernplattformen individuell zugreifen kann. Lernplattformen integrieren alle möglichen Kommunikationskanäle unter einem Dach. Üblicherweise verfügen sie mindestens über eine Mailfunktion, Foren, Chats und eine Datenablage. Neuere Lernplattformen haben jedoch noch diverse weitere Möglichkeiten integriert (Wikis, Arbeitsjournale, Abstimmungs- und Umfragetools, Whiteboard, Notizbuch, Kalender, Benutzer- und Kursverwaltung, Darstellungsmöglichkeit von Lernobjekten und Medien, Testcenter mit Notenverwaltung, Homepagenerator). Für Schulen gibt es im deutschsprachigen Raum verschiedene spezialisierte Lernplattformen, die zentral betrieben werden und die gratis genutzt werden können. Daneben gibt es diverse Open-Source-Lernplattformen, die ohne Lizenz-Kosten auf einem eigenen Server installiert und betrieben werden können (z.B. Moodle, Ilias, OLAT). Dies eignet sich jedoch nur für Schulen mit eigenem Webserver und Lehrpersonen mit fortgeschrittenen Informatikkenntnissen, die den zusätzlichen Administrationsaufwand nicht scheuen.
Instant Messaging
Instant Messenger erlauben das direkte Senden und kaum zeitverzögerte Empfangen von kurzen Textnachrichten über Computer mit Internetanschluss, vergleichbar mit SMS bei Mobiltelefonen. Mittlerweile wurde diese Basisfunktion um viele andere Möglichkeiten erweitert, so dass sich Messenger zu fast universalen Kommunikationswerkzeugen gewandelt haben und sich auch Bilder und Dateien übermitteln lassen. Um diese Kommunikationswerkzeuge nutzen zu können, muss ein kleines Programm auf dem Rechner installiert und ein individuelles Nutzerkonto beim jeweiligen Betreiber eingerichtet werden. Die Nutzerinnen und Nutzer treten im Messenger nicht mehr mit ihren Namen auf, sondern erhalten eine anonyme Nummer oder ein Pseudonym, das jedoch langfristig gleich bleibt. Pseudonyme müssen Kommunikationspartnern und -partnerinnen bekannt sein, bevor sie gegenseitig in der Kontaktliste erscheinen und angewählt werden können. Von allen Adressen in der Kontaktliste wird fortan angezeigt, wer gerade online und damit ansprechbar ist. Diese Art zu kommunizieren stellt insbesondere bei Jugendlichen ausserhalb der Schule eine populäre Variante dar, mit Freunden und Freundinnen preisgünstig in Kontakt zu bleiben (insbesondere, wenn zuhause die Internetkosten von den Eltern übernommen werden oder sogar eine Flatrate besteht). Die Dienste sind üblicherweise werbefinanziert und damit frei von direkten Kosten. In der Schule ist die Verwendung von Messengern noch eher unüblich. Da es sich um einen personalisierten Dienst handelt, macht es kaum Sinn, diese Funktion auf Schulrechnern zu installieren, an denen immer wieder andere Lernende arbeiten. Ausserdem ist das Ablenkungspotenzial sehr hoch, so dass eine gezielte Nutzung einige Vorbereitung benötigt.
Eine Auswahl der bekanntesten Dienste ist hier aufgelistet: Die beiden Systeme von Microsoft und Yahoo sind kompatibel. Textbasierter ChatChat meint normalerweise den schnellen Austausch von kurzen Textnachrichten, die unmittelbar nach ihrem Abschicken auf einer laufend aktualisierten Webseite erscheinen. Während ein Chat oft in einer Gruppe mehrerer Personen stattfindet, bezieht sich Instant Messaging gewöhnlich auf die Konversation zwischen zwei Personen. Chat kann entweder öffentlich sein, so dass die Beteiligten alle Nachrichten sehen können, oder in sogenannten privaten Räumen stattfinden, wo nur bestimmte Teilnehmende Nachrichten schicken und lesen können. Chat ist meistens anonym. Beim Einloggen in einen Chat können Chatterinnen und Chatter immer wieder neue Namen erfinden. Chat ist bei Kindern und Jugendlichen sehr populär, vor allem für das einfache Plaudern mit unbekannten Gleichaltrigen, für das unkomplizierte Kennenlernen und Flirten und für das Experimentieren mit virtuellen Identitäten. Chat kann durch seine Anonymität auch missbraucht werden, z.B. durch Pädophile, die hier getarnt Kinder und Jugendliche ansprechen. Textbasierter Chat kann auch für schulisches Lernen genutzt werden, etwa um mit einer Expertin oder einem Experten zu diskutieren, mit einer Partnerklasse oder einfach um innerhalb der Klasse ein schnelles Schreibspiel zu organisieren. Hierfür benötigen Chats jedoch eine besondere Vorbereitung und eine besondere Moderation. Heute bietet fast jede Zeitschrift und jede Radiostation, die Kinder und Jugendliche als Zielgruppe begreift, einen Chat auf ihrer Homepage an. Diese offenen Chats sind für schulische Zwecke jedoch kaum geeignet, da das Ablenkungs- und Gefahrenpotenzial einfach zu gross ist. Daneben gibt es von Erwachsenen moderierte Chats (z.B. chat.schulweb.de; chat.seitenstark.de). Hier ist zwar das Gefahrenpotenzial geringer, die Ablenkung durch andere Chatterinnen und Chatter jedoch immer noch sehr hoch. Am besten geeignet sind geschlossene Chats, zu denen nur Personen Zutritt haben, die hierzu eingeladen sind. Dies ist am ehesten mit einer Lernplattform oder einem Messenger realisierbar Für Lehrpersonen mit fortgeschrittenen Informatik-Kenntnissen gibt es auch die Möglichkeit, einen Chat über ein PHP-Programm (oder Ähnliches) auch auf dem eigenen Server zu installieren und dann in die eigene Website zu integrieren (z.B. phpopenchat.org; www.phpheaven.net; www.hotscripts.com). Dies lässt sich dann auch mit einem allgemeinen Passwort vor unberechtigtem Zugriff schützen. Für Schulen bietet educanet2 ( www.educanet2.ch) auch eine Chat-Funktion. Dadurch ist gewährleistet, dass nur Mitglieder sich beteiligen können, was das Missbrauchpotenzial deutlich reduziert. Audiogespräch und AudiokonferenzAudiogespräche via Telefon sind heute für alle Altersschichten und Bevölkerungsgruppen selbstverständlich. Durch die Audiokonferenz besteht im Gegensatz zum Chat nun die Möglichkeit, konkrete Nachfragen sofort zu stellen und Erläuterungen zu erhalten. Dasselbe gilt mittlerweile für Mobiltelefone, die jedoch in den letzten Jahren das Telefonverhalten deutlich verändert haben, da sie nicht mehr an einen bestimmten Ort gebunden sind, sondern ein "persönliches" Medium darstellen. Das Mobiltelefon hat zudem die Möglichkeiten des normalen Telefons um SMS, MMS und andere Funktionen erweitert. Internettelefonie stellt eine weitere Neuerung des alten Telefonprinzips dar, wieder mit einigen Erweiterungen. Wichtiger Grund für den Boom dieses Angebots ist vor allem das Kostenargument. Wenn von Computer zu Computer telefoniert wird, fallen nur die Verbindungskosten des lokalen Internetzugangs an. Telefongespräche über Internet sind damit insbesondere für lange Distanzen deutlich billiger als das Telefon. Für Internettelefonie muss auf beiden verbundenen Computern dasselbe Programm installiert sein (sog. Client-Software), das die Verbindung ermöglicht. Diese Programme sind normalerweise gratis bzw. werbefinanziert. Sie verfügen mittlerweile den Funktionsumfang von Messengern (bzw. Messenger verfügen über die Audio-Funktion) und erlauben nicht nur 1:1-Gespräche, sondern auch Audiokonferenzen mit mehreren Teilnehmenden. Die bekanntesten Clients sind: Für Audiokonferenzen gibt es zudem kleine leistungsfähige Programme, die vor allem von Online-Spielern und Spielerinnen genutzt werden. Auch diese Programme müssen auf dem Computer jedes Gesprächsteilnehmenden installiert sein (teils als reine Client- und teils als Server-Client-Lösung). Sie haben die Vorteile, sehr geringe Systemressourcen zu verbrauchen und kein personalisiertes Login zu benötigen. Die Leiterin oder der Leiter der Audiokonferenz muss den Teilnehmenden die eigene IP-Adresse zukommen lassen. Die kann dann von den Diskussionsteilnehmenden (ähnlich wie eine Telefonnummer) angewählt werden. Andere Audiokonferenz-Lösungen besitzen mittlerweile den Funktionsumfang von leistungsfähigen Lernplattformen. Diese Angebote sind jedoch kostenpflichtig und lohnen sich, nicht zuletzt wegen der nötigen Einarbeitungszeit, nur bei regelmässigem und intensivem Gebrauch. Diese Plattformen sind gebührenpflichtig, z.B. Videogespräch und Videokonferenz Videogespräche und Videokonferenzen sind bei der professionellen Kommunikation in Unternehmen schon seit längerem verbreitet. In der Privatkommunikation wird ein Durchbruch erst mit schnelleren Übertragungswegen bei Handys (z.B. UMTS) oder im Internet (z.B. Kabelmodems und Flatrates) erwartet. Erste Gratis-Möglichkeiten für Videogespräche über das Internet (1:1) bestehen mit gängigen Messengern und Voice-over-IP-Diensten (Microsoft Netmeeting: www.microsoft.com; Skype: www.skype.com; Spreed.com: spreed.com). Für Videokonferenzen mit mehreren Personen bestehen bislang nur kostenpflichtige oder limitierte Lösungen (z.B. Vidspeak: www.vidspeak.com). Während Videogespräche bereits heute mit mittleren Internetgeschwindigkeiten (ab 259 kbit, z.B. ADSL, Kabelmodem) möglich sind, müssen die Bandbreiten für echte Videokonferenzen deutlich höher sein. Hier sind in den nächsten Jahren noch einige Entwicklungen zu erwarten. Diskussionsforen und MailinglistenForen, Mailinglisten und Newsgroups sind Grundfunktionen des Internets, die bereits lange bestehen. Es wird hierbei von "asynchroner" Kommunikation gesprochen, weil die Interagierenden im Gegensatz zu synchronen Kanälen, z.B. textbasiertem Chat, Audio- oder Videokonferenzen, sich nicht zur gleichen Zeit im Internet aufhalten müssen, um miteinander zu kommunizieren. Die Nachrichten werden im jeweiligen Kanal dauerhaft gespeichert. Die Nachrichten können zu einem späteren Zeitpunkt gelesen und beantwortet werden. Der Austausch ist auf textliche Form reduziert. Schnelles Feedback wird jedoch erschwert. Die Diskussionspartner/innen können sich beliebig viel Zeit nehmen, ihre Beiträge auszuarbeiten. Bei Foren handelt es sich um dynamisch generierte Webseiten, in denen Interaktionspartner/innen Textnachrichten hinterlegen können. Mehrere Diskussionen können im selben Forum geführt werden, da der Verlauf der Diskussion üblicherweise grafisch kenntlich gemacht wird. Antworten erscheinen eingerückt unter den Beiträgen, auf die sie sich beziehen. Auf diese Weise bleibt auch in komplexen Diskussionen erkennbar, auf welche vorgängige Nachricht sich ein Beitrag bezieht. Ähnlich wie Foren funktionieren Newsgroups, bei denen gewisse Themen über eine spezielle Software, einen Newsreader, abonniert werden können. Im Usenet gibt es hier eine unüberschaubare Anzahl thematisch fokussierter Foren, die nach bestimmten Gruppen geordnet sind (zugänglich z.B. via groups.google.com). Bei Mailinglisten handelt es sich um eine Weiterleitung von E-Mails, die an eine zentrale Adresse geschickt werden, an alle Teilnehmenden der Liste. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin kann damit Nachrichten an alle anderen verschicken. Mailinglisten verfügen damit über dieselbe Funktion wie Foren, nur werden die Diskussionen nicht auf einer Webseite geführt, sondern über die E-Mailprogramme aller Nutzerinnen und Nutzer. Offene und unkontrollierte Foren wie im Usenet eignen sich nur sehr bedingt für die Arbeit in Schulklassen, da sich hier auch viel problematisches Material findet (unseriöse Informationen, Pornografie, Hacker-Tipps etc.). Geschlossene Foren lassen sich entweder mittels Lernplattformen realisieren (siehe oben) oder über PHP-Tools (vgl. zum Einstieg www.wikipedia.org), die auf dem eigenen Server installiert werden müssen, in eine passwortgeschützte Webseite integrieren. Die zweite Variante ist jedoch nur Lehrpersonen mit weitgehenden Informatikkenntnissen zu empfehlen. BlogsBlogs (von "Weblogs") sind Internet-Tagebücher, die einem Autor mittels eines einfachen Menus Einträge in chronologischer Reihenfolge erlauben. Ältere Einträge werden automatisch nach hinten verschoben und in einer Datenbank abgelegt. Neuere Einträge erscheinen vorne. Neben Text lassen sich auch Bilder und andere Dateien in den Blog integrieren. Andere Leser können auf Einträge mit einer Kommentarfunktion reagieren. Mit sogenannten "Permalinks" lassen sich Verweise auf bestimmte Beiträge anderer Weblogs setzen. Je nach verwendetem Blog-Tool gibt es vielfältige weitere Funktionen. Geschlossene Weblogs, die nur nach Eingabe eines Passworts gelesen werden können, sind kaum vorhanden (einzelne Lernplattformen verfügen allerdings über eine Weblog-Funktion, z.B. Blackboard). Öffentliche Weblogs können bei verschiedenen Gratisanbietern angemeldet werden. WikisMit Wikis (von "wiki wiki", hawaianisch für "schnell") lassen sich Webseiten öffentlich und gemeinschaftlich bearbeiten. Jeder Besucher einer Webseite in einem Wiki hat die Möglichkeit, auf die "Bearbeiten"-Funktion zu wechseln und den Text, die Struktur oder die Bilder der Seite zu ändern. Damit entstehen Webseiten, die nicht von einer Person geschrieben wurden, sondern von vielen. Die Geschichte der Aktualisierungen bzw. Änderungen lässt sich mit Wikis nachverfolgen. Prominente Beispiele für die Leistungsfähigkeit dieser Anwendungen ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia ( www.wikipedia.org) oder ZUM-Wiki für Lehrpersonen ( www.zum.de). Wikis werden mittlerweile auch in einzelne Lernplattformen integriert (z.B. Blackboard, educanet2). Für den Unterricht können offene bestehende Wikis genutzt werden: Whiteboards
Mit einem Whiteboard ist es möglich, gemeinsam virtuell an Dokumenten zu arbeiten. Genau wie "Application Sharing" (Zugriff auf einen anderen Rechner ermöglichen) ist die Funktion besonders für das Lernen komplexer Fertigkeiten geeignet. Das Whiteboard ermöglicht Zeichnungen zu skizzieren oder Texte einzugeben. Whiteboards sind meistens in Lernplattformen integriert oder in Konferenzprogrammen wie z.B. NetMeeting. Weiter |
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