Wie entstehen ethische Problem aus Interessensdifferenzen?
Viele ethische Probleme lassen sich nicht einfach mit moralischen Leitsätzen oder rechtlichen Bestimmungen lösen. Täter und Opfer sind in diesen Fällen nicht ohne weiteres identifizierbar. Vielmehr handelt es sich um Interessenskonflikte zwischen grundsätzlich gleichberechtigten Parteien. Differenzen können z.B. zwischen kulturellen Gruppen, politischen Parteien, Generationen, Entwicklerinnen und Verwertern bzw. Konsumentinnen und Anbietern bestehen (Content-/Service-/Access-Provider). Für derartige Probleme kann es keine Standardlösungen geben, sondern sie müssen situativ im Dialog der Beteiligten ausgehandelt werden. In Bildungskontexten geht es bei solchen Konflikten z.B. um folgende Fragen:
 | Welche Inhalte sind für Kinder und Jugendliche geeignet? Während Medienproduzenten versuchen, die Zielgruppe Kind mit möglichst spektakulären Inhalten anzusprechen und diese sich nicht selten auch gern begeistern lassen, reagieren Eltern sowie, Pädagoginnen und Pädagogen eher mit Vorsicht oder Ablehnung (z.B. auf die Entwicklung von Formaten wie Tom&Jerry hin zu Happy Tree Friends: www.happytreefriends.com). Die Frage des Jugendschutzes ist nicht immer eindeutig. Im Einzelfall kommt es auf die Medienkompetenz von Kindern und ihr Stützsystem an, ob Inhalte für Kinder nachhaltig schädigend sind oder nicht. |
 | Wie kann mit unterschiedlichen medialen Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen umgegangen werden? Während einige Schülerinnen und Schüler in einer sehr permissiven familiären Medienkultur aufwachsen und ein breites Medienangebot konsumieren, kennen Kinder und Jugendliche aus restriktiven familiären Medienkulturen nur ein sehr ausgewähltes Medienangebot. Wenn die einen sich über ihre weit reichenden Erfahrungen in der Schule austauschen oder sogar Beispiele am Schulcomputer vorführen, können die anderen (bzw. ihre Eltern) eher geschockt reagieren. Es müssen Regeln gefunden werden, wie rücksichtsvoll miteinander umgegangen werden kann. |
 | Dominieren die Potentiale oder die Gefahren der Internetnutzung? Negative Vorfälle mit dem Internet in Schulklassen können sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen. Skeptische Lehrpersonen und Eltern können fordern, einen äusserst restriktiven Filter einzuführen oder das Internet zugunsten eines reinen Intranets wieder abzuschaffen. Damit werden jedoch auch viele Potentiale des Internets negiert. Befürwortern und Befürworterinnen geht es in solchen Fällen eher um die Abwägung des Tolerierbaren im Verhältnis zu Medienkompetenzen von Lehrpersonen und Lernenden, die unter Umständen auch noch gefördert werden können. |
 | Soll mit kommerzieller Software bzw. mit werbefinanzierten Inhalten gearbeitet werden? Die Software, die Schülerinnen und Schüler an Schulen kennenlernen, werden sie mit höherer Wahrscheinlichkeit auch als Privatanwenderin und Privatanwender weiter nutzen. Dies erklärt das grosse Interesse von Softwareunternehmen am Markt Schule. Auch Bildungsinhalte werden zu Werbezwecken produziert oder über Werbung finanziert. Es ist Ermessensfrage, in wie weit Schule attraktive kommerzielle Angebote nutzen will. |
 | Welche Informationen sollen online publiziert werden? Wenn Schulen, Lehrpersonen oder Schülerinnen und Schüler eigene Websites oder Blogs betreiben, dann können dort Informationen auftauchen, die missverstanden oder missbraucht werden können (z.B. geschilderte Episoden aus dem Schulalltag, mit dem Mobiltelefon geknipste Photos, persönliche Daten oder E-Mail Adressen). Websites und Blogs mit solchen Inhalten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen freier Meinungsäusserung und Verletzung von Persönlichkeitsrechten. |
 | Welche Kommunikationskanäle sollen genutzt werden? Sollen Lehrpersonen E-Mail nutzen, auch wenn nicht alle Eltern über einen Internetanschluss verfügen? Sollten Lehrpersonen ihre Mobilnummer preisgeben oder die der Schüler und Schülerinnen ihrer Klasse erfragen, um bei Bedarf Erinnerungs-SMS zu verschicken? Hier muss sorgfältig zwischen der Wahrung der Privatsphäre und effizienter Kommunikation abgewogen werden. |
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